posted by admin on Jun 13
Badeanzüge für Männer haben eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert mit beginnenden Strand- und Badefreuden fand der Einteiler für den Herrn seinen Einzug in die Modewelt. Mit angeschnittenen Beinen und eng anliegend war er konzipiert, um beim Schwimmen nicht zu stören. Zu dieser Zeit mussten sich aus Gründen der damaligen Sittsamkeit die Frauen noch mit sehr viel mehr Badekleidern bedecken, die dementsprechend hinderlicher beim Schwimmen waren. Außerdem trockneten natürlich diese Unmengen von Stoff sehr viel schlechter, was ein schnelles Umziehen nach dem Bade notwendig machte. Die Männer waren zu dieser Zeit eindeutig im sportlichen Vorteil. Aber auch in Bezug auf die Erotik, mit der die Männer mehr von ihrem Körper zur Schau tragen durften als die Frauen, schien der Glücksstern der Badekultur zu dieser Zeit für die Herren heller. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis es auch den Frauen gestattet war, sich beim Bad und am Strand in eng anliegenden, figurbetonenden Anzügen mit kurzen Beinen und ohne Ärmel zu präsentieren und zu schwimmen. Die Bewegung im Wasser mit einem Kleidungsstück, das fast nicht als solches zu spüren ist, kommt dem natürlichen Schwimmgefühl ohne Kleidung schon sehr nahe. Nicht weniger prickelnd als das Gefühl von schäumendem Meerwasser auf nackter Haut war aber auch das Spüren bewundernder und begehrlicher Blicke des anderen Geschlechts. Badeanzüge verdeckten für unsere heutigen Vorstellungen zwar um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert immer noch sehr viel nackte Haut, aber durch die figurbetonte Form unterstrichen sie in einer Weise die Attraktivität des Körpers und seiner Rundungen, die manchmal die Wirkung von nackter Haut übertreffen kann.
Heute im 21. Jahrhundert wird an Stränden und beim Schwimmen sehr wenig Stoff getragen, und damit der weitgehend entkleidete Körper attraktiv wirkt, muss er harten Anforderungen an sportliche Fitness und jugendliche Gesundheit entsprechen. Mancher Badende hegt da schon mal den Wunsch, die Bademode möge einige Problemzonen eher verhüllen als entblößen. Anstelle der üblichen Mini-Bikinis und String-Tangas – auch für Herren – gib es einen Trend zurück zu mehr Verhüllung der körperlichen Details durch den Badeanzug. Bei eng anliegendem Sitz und maskulinem Schnitt beispielsweise mit Ringerrücken und tiefem Vorderausschnitt bei angeschnittenen Beinen kann der Männer-Badeanzug kleine Unregelmäßigkeiten in Haut oder Figur kaschieren und gleichzeitig die Gesamtausstrahlung des Körpers erotisch überhöhen. Wenn er dann noch in leicht selbstironischer Weise die berühmten Kaiser-Wilhelm-Streifen der alten historischen Badeanzüge aufgreift, ist seine Funktion als Sympathie fördernder Hingucker gewiss.